Der Schlüssel zu landwirtschaftlichen CO2-Märkten: Messung und Verifizierung

Von Ed Smith, Vice President, Indigo Carbon und Terraton, und Dan Harburg, Senior Director of Systems Innovation - 

Die Bindung von Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden bei gleichzeitiger Reduzierung von Emissionen kann zu einem unmittelbaren und bezahlbaren Hebel in der Bekämpfung des Klimawandels werden, wie die Klimapläne der führenden US-Präsidentschaftskandidaten [1], Überlegungen auf der UN-Klimakonferenz [2] und ein zentrales Element im Landnutzungsreport des Weltklimarats (IPCC) [3] nahelegen.

Doch dies erfordert einen hohen Grad an Vertrauen in die präzise und verifizierbare Messung des Kohlenstoffgehalts von Böden und der Netto-Treibhausgasemissionen von landwirtschaftlichen Betrieben.


Emissionsgutschriften (ebenso wie Kompensationen außerhalb und innerhalb der Wertschöpfungskette usw.) können nur so real bzw. nützlich sein wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Belege, die ihnen zugrunde liegen. Für den Aufbau landwirtschaftlicher CO2-Märkte müssen strenge Standards für die Quantifizierung, Überwachung und Verifizierung etabliert werden. Verra und die Climate Action Reserve, beides führende Kompensationsprogramme für Treibhausgasemissionen, sind maßgebliche Akteure in diesem Bereich und spielen eine zentrale Rolle für die Sicherstellung höchster Standards auf dem Gebiet der CO2-Messung und -Bilanzierung. Deshalb geht Indigo, in unterschiedlichen Funktionen, Partnerschaften mit beiden Gruppen ein, die die Welt in die Lage versetzen sollen, Landwirte für die Bekämpfung des Klimawandels zu bezahlen.

„Mit den immer stärker werdenden Auswirkungen des Klimawandels für Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt stehen und leiden die Landwirte an vorderster Front“, erklärt Craig Ebert, CEO der Climate Action Reserve: „Es gibt jedoch die Chance für sie, eine entscheidende Rolle für Lösungen zu spielen, die die Klimakrise signifikant bekämpfen und gleichzeitig den Zustand ihrer Böden verbessern. Um diese Chance zu einem Erfolg zu machen, benötigen wir starke, gemeinsame Anstrengungen zu ihrer Unterstützung. Wir benötigen die Expertise der Landwirte, die Forschungen der Wissenschaftler, die Daten weiterer Sektorteilnehmer sowie strenge Standards als Orientierung.“

Heute gibt es noch keine praktische Möglichkeit für Landwirte, Emissionsgutschriften zu erhalten. Zwar existieren einige Protokolle, doch sind diese entweder zu kostspielig in der Einführung oder nicht streng genug, um Nutzen zu bieten. Die Folge ist, dass so gut wie nichts von den zweistelligen Dollar-Milliardenbeträgen für Emissionsgutschriften, die Jahr für Jahr erworben werden, an Landwirte geht und der gewaltige potenzielle Kohlenstoffspeicher in Form von landwirtschaftlichen Böden ungenutzt bleibt. Der Schlüssel zu einer Freisetzung dieses Potenzials und zur Anbindung der Landwirte an die CO2-Märkte liegt in der Fähigkeit, Kohlenstoff präzise und günstig messen und verifizieren zu können.

Um diese Lücke zu schließen, entwickelt Indigo in seiner Zusammenarbeit mit Verra, der Climate Action Reserve und der wissenschaftlichen Community aktuell Protokolle für die Quantifizierung, Überwachung, Meldung und Verifizierung von Kohlenstoffeinlagerungen im Boden und Reduzierungen der Treibhausgasemissionen in landwirtschaftlichen Betrieben. Die Messung von Netto-Treibhausgasemissionen im Agrarsektor wird außerdem beleuchten, wie diese Branche die Entwicklungskurve des Klimawandels beeinflussen und durch Exaktheit und Transparenz bei der Erzeugung der Emissionsgutschriften Marktvertrauen schaffen kann.

„Landwirtschaftliche Böden bieten uns eine der vielversprechendsten Chancen für die Bindung von Kohlendioxid“, kommentiert Professor Daniel Kammen von der UC Berkeley, ehemaliger Wissenschaftssondergesandter des US-Außenministeriums. „Wir verfügen über die Technologie, Steigerungen des Bodenkohlenstoffgehalts über Millionen von Hektar Land genau zu verfolgen, sodass wir in die Landwirte und in die Bindung von Kohlenstoff investieren können, und das auf verifizierbare und offene Weise.“

Indigo unterstützt die Entwicklung des Soil Enrichment Project Protocol zusammen mit der Climate Action Reserve. Im Januar hat die Climate Action Reserve eine Arbeitsgrupper gebildetbestehend aus Branchenvertretern, Projektentwicklern, Landwirten, Umweltschutz-NGOs, Verifizierungsstellen, Forschern und staatlichen Stellen. Dies ist der erste entscheidende Schritt zu einem offenen, transparenten Prozessablauf, der sich auf der Sicht der Experten gründet. Nach Erstellung eines Protokollentwurfs durch die Arbeitsgruppe wird es zudem eine Phase für Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit geben, um Feedback von allen Personenkreisen an die Climate Action Reserve sicherzustellen. Dieses Protokoll, das voraussichtlich Mitte 2020 fertiggestellt wird, wird für alle Projektentwickler aus dem Bereich Emissionsgutschriften zugänglich sein und die Entwicklung und den Ausbau landwirtschaftlicher CO2-Märkte beschleunigen.

Angesichts des Interesses und der weltweiten Anwendungsmöglichkeit für die Landwirtschaft als Hebel in der Bekämpfung des Klimawandels geht Indigo außerdem eine Partnerschaft mit Verra ein, die auf der rigorosen Protokollentwicklung und dem strengen Prüfungsprozess dieses Unternehmens und einem ähnlichen Zeitplan basiert. Dazu David Antonioli, CEO von Verra: „Verra freut sich auf die Zusammenarbeit mit Indigo Ag und weiteren führenden Akteuren, um aufbauend auf der herausragenden landbasierten CO2-Bilanzierungs- und Kompensationsplattform von VCS die robuste, jedoch skalierbare Bilanzierung von Bodenkohlenstoff zu ermöglichen und diese Anstrengungen mit Marktmechanismen zu verknüpfen, die bedeutende Investitionen in regenerative und klimafreundliche landwirtschaftliche Verfahren in den USA und auf der ganzen Welt vorantreiben.“

Partnerschaften, Zusammenarbeit und Transparenz sind wesentlich für die Entwicklung von hochkarätigen Quantifizierungsprogrammen. Diese CO2-Protokolle werden uns in die Lage versetzen, das ganze Potenzial der Landwirtschaft für die Bekämpfung des Klimawandels zu verstehen, verlässliche Emissionsgutschriften für Landwirte und Käufer einzuführen und weitere Personenkreise für diese Chance zu gewinnen. Indigo freut sich sehr auf die Partnerschaft mit Verra und der Climate Action Reserve und wir fühlen uns von weiteren Anstrengungen in diesem Bereich bestärkt [4]. Landwirte haben das Potenzial, den Verlauf unserer Klimaentwicklung zu beeinflussen – und die Debatte in die Praxis zu überführen.

 

Quellen

[1] „Farming and Climate Change“, Politico, Quelle: https://www.politico.com/2020-election/candidates-views-on-the-issues/agriculture/farming-and-climate-change/

[2] „FAO at the UN Climate Change Conference COP25“, Food and Agriculture Organization of the United Nations, Quelle: http://www.fao.org/climate-change/international-fora/major-events/cop-25/en/

[3] „Report: we have to change how we eat and grow food to fight climate change“, Vox, Quelle: https://www.vox.com/2019/8/8/20758461/climate-change-report-2019-un-ipcc-land-food

[4] z. B. Australia’s Emissions Reduction FundEcosystem Services Market ConsortiumNORI u. a.